Naturschatz Gipskarstlandschaft Südharz – Weidelandverbund & Biodiversität erleben

ist ein Projekt zur Förderung der biologischen Vielfalt in der Gipskarstregion Niedersachsens. Es wird im Bundesprogramm Biologische Vielfalt im Förderschwerpunkt Hotspots der biologischen Vielfalt gefördert.

Das Hotspot-Projektgebiet umfasst den niedersächsischen Teil des Hotspots der biologischen Vielfalt Nr. 18 „Südharzer Zechsteingürtel, Kyffhäuser und Hainleite“.

Es nimmt mit einer Fläche von ca. 25.000 ha fast vollständig das Harzvorland im ehemaligen Landkreis Osterode am Harz (heute Landkreis Göttingen) ein.

Die Lage zwischen dem höher gelegenen Oberharz und dem ländlich besiedelten Harzvorland ist für die Entwicklung der Raum- und Siedlungsstruktur der Südharzer Gipskarstregion mit seinem typischen „grünen Karst“ prägend.

Träger des Hotspot-Projektes ist der Landschaftspflegeverband Landkreis Göttingen e.V.

Logo LPV Landkreis Göttingen e.V.

Projektgebiet

Karte Gipskarstlandschaft Südharz

Besonderheiten

Geologie

Der Südharzer Zechsteingürtel ist das größte und bedeutendste Gipskarstgebiet Mitteleuropas. Auf einer Länge von ca. 100 km und einer Breite von bis zu 7 km erstreckt er sich von Osterode am Harz in Südniedersachsen über den Landkreis Nordhausen in Thüringen bis nach Sangerhausen in Sachsen-Anhalt.

Der Begriff „Karst“ (aus dem serbokroatischen: „steiniger Boden“) beschreibt Böden, die überwiegend aus wasserlöslichen, erdoberflächennahen Gesteinen und Mineralien, wie z. B. Kalk, Dolomit, Gips und Salzen bestehen und meist eine unterirdische Entwässerung aufweisen. Durch Spalten und feine Risse sucht sich das Oberflächenwasser Wege in den Untergrund und führt dort zur chemischen Auflösung des Gesteins. Lösungsprozesse, bei denen ein Liter Oberflächenwasser bis zu 2 g Gips aufnehmen kann, lassen im Laufe der Zeit Klüfte und Hohlräume im Gestein entstehen. Diese können wiederum einbrechen und die Landschaftsform verändern. Dieser Prozess wird als Verkarstung bezeichnet. Typisch für die Oberfläche von Karstgebieten ist ihre Trockenheit und das formenreiche Relief.

Der Südharzer Gipskarst ist ein Ausfällungsprodukt aus einem flachen, warmen Zechsteinmeer, das vor mehr als 250 Millionen Jahren die Region bedeckte.  In den heute stetig fortlaufenden Verkarstungsprozessen kann der gesamte Formenschatz einer Gipskarstlandschaft beobachtet werden: Erdfälle und Dolinen, Quellen und Bachschwinden, Höhlen und temporäre Karstseen, Karrenfelder und Abrissklüfte prägen neben Quellkuppen und Gipsschotterhalden die Landschaft.

Im Gegensatz zu anderen Gipskarstregionen der Welt ist der Gips im Südharz von Vegetation bedeckt und wird aus diesem Grund als „Grüner Karst“ bezeichnet. Im Zusammenspiel klimatischer Bedingungen und geologischer Gegebenheiten mit der karsttypischen hohen Versickerungsfähigkeit von Oberflächenwasser bildete sich in der Region eine vielfältige, teils sehr spezialisierte Flora und Fauna heraus.

Lebensräume

Zahlreiche karsttypische Lebensraumtypen, zum Beispiel artenreiche Pionier- und Trockenrasen, magere Flachland-Mähwiesen, Kalk- und Gipsfelsen mit Felsfluren und Gips-Schutthalden, natürliche Höhlen und Buchenwälder sind Heimat vieler seltener, mitunter hoch spezialisierter und streng geschützter Pflanzen- und Tierarten.

Trockene Oberflächen, flachgründige nährstoffarme Böden auf kalk- und basenreichen Gesteinen prägen zahlreiche Lebensräume in der Region. Zechsteindolomit und Gipsfelsen sowie deren Verwitterungsstrukturen wechseln sich ab mit flachen, im Verlauf von Jahrtausenden durch Gesteinsauflösung entstandenen Tälern und Flussauen und bilden ein sehr kleinteiliges Mosaik unterschiedlicher Lebensraumtypen. Durch die eingeschränkten landwirtschaftlichen Nutzungsmöglichkeiten im verkarsteten Gelände entstanden durch die extensive Bewirtschaftung Offenlandlebensräume wie zum Beispiel Halbtrockenrasen. Zu typischen Lebensraumtypen (LRT) nach der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (FFH-Richtlinie, siehe Menüpunkt „Naturschutz“) der Gipskarstregion zählen zum Beispiel:

  • Kalk-Pionierrasen (LRT 6110*) auf Kalk- und Gipsfelskuppen, Felsschutt und Felsbändern
  • Kalk-(Halb-)Trockenrasen (LRT 6210),
    • mit individuenreichen Vorkommen zahlreicher Orchideenarten (LRT 6210*)
  • Steppenrasen (LRT 6240*)
  • Magere Flachland-Mähwiesen (LRT 6510)
  • Kalkfelsen mit Felsspaltvegetation (LRT 8210*)
  • Nicht touristisch erschlossene Höhlen (LRT 8310)
  • Orchideen-Kalk-Buchenwälder (LRT 9150)

(* prioritäre Lebensräume)

Als Hotspots der biologischen Vielfalt gelten Regionen in Deutschland, die sich durch eine besonders hohe Dichte und Vielfalt an charakteristischen Arten, Populationen und Lebensräumen auszeichnen.

Zur Ermittlung der Hotspots wurden bundesweit vorliegende Daten zu FFH-Lebensraumtypen und Daten zur Verbreitung verschiedener Artengruppen herangezogen. Dazu zählen Gefäßpflanzen, Moose, Säugetiere, Brutvögel, Fische, Heuschrecken, Schmetterlinge, Amphibien und Reptilien. Bei der Auswertung der Daten zum Vorkommen der Arten und Lebensräume wurden auch deren Seltenheit und Gefährdung (Rote-Liste-Arten, FFH-Arten) gewichtet. Im Ergebnis dieses Prozesses wurden deutschlandweit 30 Hotspots identifiziert, welche einen besonderen Reichtum charakteristischer Lebensräume, Tier- und Pflanzenarten aufweisen. Zu diesen Hotspots der biologischen Vielfalt, die insgesamt elf Prozent der Fläche der Bundesrepublik Deutschland einnehmen, zählt auch der Südharzer Zechsteingürtel mit seiner einzigartigen Gipskarstlandschaft.

Projektziele

  • Erhöhung der Quantität und Verbesserung der Qualität naturschutzfachlich wertvoller Grünland- und Offenlandlebensräume
  • Optimierung des Biotopverbunds zwischen den Grünlandstandorten und in ackerbaulich geprägten Gebieten
  • Umsetzung von Arten- und Biotopschutzmaßnahmen für repräsentative Arten der Gipskarst-Lebensräume
  • Vermittlung der naturschutzfachlichen Bedeutung und nachhaltigen extensiven Nutzung der für Mitteleuropa einzigartigen Gipskarstlandschaft Südharz
  • Besucherlenkung und Steigerung der Erlebnisqualität durch attraktive Biodiversitäts-Erlebnismöglichkeiten
Logo: Gefördert durch: Bundesministerium für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages
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