Kooperativer Naturschutz für die Gipskarstlandschaft
Der kooperative Schutz von Natur und Landschaft steht im Hotspot-Projekt im Mittelpunkt. Allgemein umfasst der kooperative Naturschutz alle Maßnahmen und Bestrebungen, die Vielfalt, Schönheit und Funktionsfähigkeit der Natur gemeinsam mit den Landwirt:innen und Akteur:innen vor Ort zu erhalten, zu fördern und – wenn nötig – wiederherzustellen. Im Projektgebiet sind der Erhalt und die Wiederherstellung von extensiv genutztem Grünland von zentraler Bedeutung. Die Wiesen und Weiden sind Lebensraum für zahlreiche Arten und machen das Gebiet zu einem Hotspot der biologischen Vielfalt.
Zu den zentralen Naturschutzzielen im Projekt gehören:
- die Förderung der naturschutzfachlich wertvollen Grünland- und Offenlandlebensräume durch eine angepasste extensive Beweidung und gezielte Landschaftspflegemaßnahmen;
- die Optimierung des Biotopverbundes zwischen den Offenlandstandorten mit besonderem Fokus auf extensiv genutzte Strukturen, wie z.B. Wiesen, Weiden, Wald- und Wegränder, Ackerränder, Streuobstwiesen und -alleen, Gewässerränder, etc.;
- diverse Arten- und Biotopschutzmaßnahmen für Arten repräsentativer Gipskarst-Lebensräume, die die örtlichen Populationen stützen und Grünlandlebensräume aufwerten.
Auf dem Weg dorthin fördert das Projekt das bestehende Engagement von Landwirt:innen und Naturschützer:innen vor Ort. Das bedeutet neben den kooperativen Naturschutzmaßnahmen auch das Angebot von betrieblichen Beratungen für Landwirt:innen und eine breite Öffentlichkeitsarbeit für den Naturschutz.
Biodiversität
Der Begriff biologische Vielfalt oder Biodiversität ist Sammelbegriff für die Vielfalt des Lebens auf unserer Erde.
Biodiversität umfasst drei Ebenen: die Vielfalt der Ökosysteme (dazu zählen Lebensgemeinschaften, Lebensräume und Landschaften), die Artenvielfalt und drittens die genetische Vielfalt innerhalb der Arten.
Repräsentative Arten
In der niedersächsischen Gipskarstregion ist eine besondere Tier- und Pflanzenwelt heimisch, die durch die vielfältige Landschaft aus Felsfluren, Trockenrasen, Höhlen, Quellen und Wäldern begünstigt wird. Zu den repräsentativen Arten zählen beispielsweise Luchs und Wildkatze, Grünspecht und Uhu, Feuersalamander und Geburtshelferkröte, zahlreiche Fledermaus- und Insektenarten sowie viele heimische Orchideenarten und andere seltene Blütenpflanzen wie das Sumpf-Herzblatt, der Fransenenzian oder das Frühlings-Adonisröschen.
Schutzgebiete
Naturschutz-gebiete (NSG)
sind – neben Nationalparks – sehr streng geschützte Flächen in Deutschland. Hier sollen die vorkommenden Tier- und Pflanzenarten bestmöglich erhalten und gefördert werden. Dazu bedarf es der Zusammenarbeit mit allen Nutzer:innen, wie z.B. Erholungs- und Sporttreibenden oder Landwirt:innen.
Im Projektgebiet liegen anteilig oder vollständig neun Naturschutz-Gebiete:
Das Projektgebiet beherbergt anteilig oder vollständig fünf FFH-Gebiete:
Fauna-Flora-Habitat-Gebiete (FFH-Gebiete)
dienen dem Schutz wildlebender Pflanzen- und Tierarten sowie ihrer natürlichen Lebensräume.
Sie wurden 1992 auf Beschluss der Europäischen Union als Teil des Schutzgebietsnetzes Natura 2000 eingerichtet und bilden gemeinsam mit den Europäischen Vogelschutzgebieten ein zentrales Instrument zum Erhalt der biologischen Vielfalt. Auf nationaler Ebene müssen die Gebiete als NSG oder Landschaftsschutzgebiet LSG gesichert werden. Zudem sind konkrete Erhaltungsziele festzulegen und mit passenden Schutzmaßnahmen zu verfolgen. Deutschland ist mit der Umsetzung der FFH-Richtlinie weiterhin an vielen Stellen im Verzug und wurde zuletzt 2023 vom EUGH dafür gerügt.
FFH-Gebiete werden auch als Gebiete gemeinschaftlicher Bedeutung (GGB) bzw. Special Areas of Conservation (SAC) bezeichnet.
Landschafts-
Schutzgebiete (LSG)
definieren sich als rechtsverbindlich festgesetzte Gebiete. In ihnen gilt ein besonderer Schutz von Landschaft und Natur nach dem § 26 Absatz 1 des Bundesnaturschutzgesetzes (BNatSchG).

Das Projektgebiet beherbergt anteilig oder vollständig drei Landschaftsschutzgebiete:
Artenschutz
Der Begriff Artenschutz bezeichnet den Schutz und die Erhaltung bestimmter wildlebender Tier- und Pflanzenarten in ihrer naturbelassenen und historisch gewachsenen biologischen Vielfalt. Ziel ist es, gefährdete oder bedrohte Arten zu schützen, ihre Bestände zu stabilisieren oder wiederherzustellen und die biologische Vielfalt langfristig zu sichern. Das Projekt widmet sich typischen Arten der Südharzer Gipskarstlandschaft als sogenannte Zielarten. Die Maßnahmen zur Förderung dieser Zielarten kommen auch vielen weiteren Tier- und Pflanzenarten zugute.
Zielarten des Projektes
Zielarten des Projektes sind die Mopsfledermaus, das Braunkehlchen, der Kammmolch und die Pflanzenarten des artenreichen Grünlands. Sie sind mit ihren Lebensraumansprüchen eng an die Gipskarstregion gebunden, benötigen aber besondere Schutzmaßnahmen zum langfristigen Erhalt ihrer Populationen.
Zu unseren Instrumenten gehören:
LandschaftsPflege
Erhalt und Entwicklung von Lebensräumen
Um die wertvollen Offenlandlebensräume in der Gipskarstlandschaft zu erhalten, führen wir gezielte Landschaftspflegemaßnahmen durch. Diese dienen dem Erhalt, der Entwicklung und der Wiederherstellung von Lebensräumen für Pflanzen und Tiere, die über Jahrhunderte unter dem Einfluss einer extensiven landwirtschaftlichen Nutzung entstanden sind.
Unsere Maßnahmen umfassen:
Streuobstwiesen
Streuobstwiesen bilden durch die Kombination aus Obstbäumen und extensiv genutztem Grünland einen besonders struktur- und artenreichen Lebensraum. Vogelarten wie Neuntöter, Grünspecht und Gartenrotschwanz sind in der halboffenen Landschaft ebenso zu finden wie zahlreiche Wildbienen, Käfer und Schmetterlinge. Auch Säugetiere wie Fledermäuse und Gartenschläfer nutzen Streuobstwiesen als Nahrungshabitat und finden in alten Baumhöhlen Rückzugsorte. Zu den typischen Pflanzenarten gehören neben Glockenblumen, Schlüsselblumen und Orchideen auch die Kennarten des mesophilen Grünlands .
Unsere Maßnahmen umfassen:
Pflege und Unterstützung für langlebige Streuobstwiesen
Im Rahmen des Hotspot-Projektes wird Besitzer:innen von Streuobstwiesen Unterstützung bei der Erstinstandsetzung angeboten. Spezialisierte Obstbaumpfleger:innen schneiden die Bäume mit dem Ziel eines langfristigen stabilen Kronenaufbaus, der zur Stabilität und Gesundheit der Obstbäume beiträgt. In Schnittkursen werden zudem die wichtigsten Grundlagen der Obstbaumpflege vermittelt, damit die Streuobstwiesen auch in Zukunft erhalten bleiben.






































